Kattwykbrücke (Geburtstagsedition)

Heute genau vor einem Jahr hat dieses Blog die erste Brückenveröffentlichung erfahren – seitdem heißt es tagtäglich: neuer Tag, andere Brücke. Dieses besondere Jubiläum muss gebührend gefeiert werden und daher wird heute nicht nur eine der bekannten Brücken Hamburgs vorgestellt, sondern diese Vorstellung überlasse ich dem @cupofcoffee, ohne dem hier so manches nicht zu realisieren gewesen wäre. Diese Geburtstagsausgabe ist also ein Gastbeitrag. Vielen Dank, Sascha.


Einer der Gründe, warum es in Hamburg so viele Brücken gibt, sind die zahlreichen Gewässer, die die Hansestadt durchziehen, allen voran natürlich die Elbe. Von Südosten kommend, teilt sie sich kurz vor der Stadt in Norder- und Süderelbe und das Gebiet, das sie umströmt, in zahlreiche Inseln und Halbinseln. Diese bilden die geografische Grundlage des Hamburger Hafens. Die Kanäle und Seitenarme der Elbe sind seit Jahrhunderten die Lebensader der Hansestadt.

Andererseits stellt der Fluss eine schwer zu überwindende Barriere für den Landverkehr von Nord nach Süd dar, ein Hindernis, das mit aufwendigen Bauwerken über- und unterquert werden muss. Die vielen Elbbrücken und -tunnels, die im Laufe der Zeit gebaut wurden, haben alle eines gemeinsam: Trotz und letztlich wegen ihrer Dimensionen sind sie alle früher oder später zu Nadelöhren geworden.

Das gilt auch für die Kattwykbrücke. 70 Meter hoch ragen ihre beiden Pfeiler mitten aus dem Strom der Süderelbe. Ihre markante blau-gelbe Farbgebung hebt sie von den anderen Brücken der Stadt deutlich ab.

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Auch sonst ist der 290 Meter lange Koloss etwas Besonderes. Der Mittelteil kann 53 Meter über den Strom hinauf gezogen werden, um auch den großen Seeschiffen Durchfahrt zu gewähren. Dies geschieht im Normallfall etwa alle zwei Stunden. Damit ist die 1973 eröffnete Kattwykbrücke Deutschlands größte Hubbrücke.

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Bei einer Hubbrücke müssen sich Schiffs- und Landverkehr die Passage im Wechsel teilen. Bei der Kattwykbrücke muss sich obendrein auch der Landverkehr selbst auf der Brücke abwechseln. Neben der zweispurigen Straße verläuft auch ein Bahngleis auf der Brücke. Genauer gesagt verläuft das Gleis auf der Straße.

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Ist also ein Zug im Anrollen, wird die Straße ähnlich wie ein Bahnübergang per Schranke geschlossen, bis die Bahn die Brücke komplett überquert hat.
Als Autofahrer hat man also eine zweifache Chance, vor der Brücke warten zu dürfen. Mit dem Rad, oder zu Fuß kann man hingegen zumindest bei einer Bahn-Passage die Brücke weiter nutzen. Ob man das möchte, ist allerdings eine andere Frage, denn spätestens wenn die ersten Achsen der schweren Güterzüge über die Fugen zum Hubteil rumpeln, gerät die ganze Konstruktion ordentlich ins Schwingen.

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Die Dauerbelastung durch Zug- und LKW-Verkehr setzt der aufwendigen Konstruktion im Laufe der Zeit dann auch ganz schön zu. Trotz intensiver Pflege und Wartung schwächelt der Hubmechanismus immer wieder mal. Im Januar 2008 kommt es schließlich zum ultimativen “Desaster”, als der Hubteil wegen eines Lagerschadens in 17 Metern Höhe über dem Wasser stecken bleibt und dort fest sitzt. Sechs Wochen blockiert er so die Durchfahrt für Seeschiffe, bis er schließlich im Laufe der Reparaturarbeiten auf volle Höhe hinauf gezogen werden kann. Die Reparaturen selbst dauern fast ein ganzes Jahr.

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Für den südlich der Brücke gelegenen Harburger Hafen kommt diese sechswöchige Hängepartie einer Blockade gleich, die den dort ansässigen Betrieben hohe wirtschaftliche Ausfälle beschert. Die Brücke wird im Zuge der folgenden Reparaturarbeiten umfangreich saniert und modernisiert. Trotzdem kommt es bereits 2011 wieder zu einer ähnlichen Situation. Nach einem Feuer in einem Schaltschrank sitzt die Brücke abermals fest. Jedoch kann dieses Mal der Mittelteil per Notantrieb schließlich noch ganz hinauf gefahren werden, so dass zumindest die Schifffahrt dieses Mal nicht beeinträchtigt wird. Der Landverkehr hingegen muss abermals für Monate auf die wichtige Elbquerung verzichten.

Trotz dieser Zwischenfälle soll die Brücke weiter betrieben werden, allerdings ist mittlerweile beschlossen worden, ihr eine Schwester zur Seite zu stellen, die einmal den wachsenden Bahnverkehr aufnehmen wird. Die bestehende Brücke soll zukünftig nur noch als Straßenbrücke genutzt werden.

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Am 13. August 2014 erfolgte mit dem “Ersten Rammschlag” der offizielle Baubeginn des auf 208 Millionen EUR taxierten Projektes.
Auf den Eröffnungsbericht der zweiten Kattwykbrücke auf “Hamburgs Brücken” freue ich mich jetzt schon. Allerdings wird bis zur geplanten Eröffnung im Jahre 2020 noch viel Wasser die Elbe hinab fließen.

Noch viel mehr freue ich mich, dass ich mit meinem Gastbeitrag heute die “Jubiläumsbrücke” vorstellen darf. Sage und schreibe 365 Brücken und ihre großen und kleinen Geschichten hat Sabine Sternberg mittlerweile hier auf “Hamburgs Brücken” vorgestellt. Dazu gratuliere ich ganz herzlich!
Außerdem habe ich mal eine kleine Geschichte zu diesem großartigen Hamburger Blog zusammengetragen.

Aber lest doch einfach selbst ➔ hier genau.

Herzlichen Glückwunsch!!!
Sascha / Cupofcoffee

5 Gedanken zu „Kattwykbrücke (Geburtstagsedition)

  1. Markus

    Wow, was für ein interessanter Artikel über die Kattwykbrücke, danke an Sascha dafür.

    Und das Wichtigste: Herzlichen Glückwunsch zum Einjährigen von Hamburgs Brücken. Ich habe ja an verschiedenen Stellen schon betont, wie sehr ich dieses Projekt von Frau Kurzundknapp bewundere. Chapeau für diesen Einsatz und wir allen freuen uns auf die Brücken, die da noch kommen.

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  2. Wera Wecker

    Liebe Sabine,

    herzlichen Glückwunsch! Ein absolut gelungenes Projekt. Ich bin schon gespannt auf die nächsten 365 Brücken. Weiter so!

    Danke @cupofcoffee für diesen wunderbaren Geburtstagsbeitrag!

    Viele Grüße
    Wera

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  3. Kirsten

    Warum auch immer wollte mein Server den Kommentar von @knightlyart nicht annehmen. Aber ich weiß, dass sie mir hier gratulieren wollte und daher füge ich ihren Kommentar einfach ein:

    Glückwunsch :-)

    Antworten

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