Hammerbrook-Schleuse

Seit 1979 steht die Gesamtanlage Hammerbrook-Schleuse unter Denkmalschutz. In dieser Gesamtanlage eingeschlossen sind das Schleusenbecken östlich der Straße Stadtdeich mit den Beckenwänden und der Grünanlage, dann weiter das Drehtor einschließlich aller beweglichen und mechanischen Bestandteile sowie der Kreuzbrücke, das Mauerwerk im Bereich des Drehtores mit den zwei Durchfahrten sowie der Teil des Schleusenkanals (des Vorhafens) oberhalb des Drehtores bis zur Erste Banksbrücke. (Quelle: Wikipedia).  

Hammerbrookschleuse

Fußgängerbrücke hinter Erste Bankbrücke

Die Brücke, die über die Schleuse führt, ist übrigens eine Fußgängerbrücke.

Da ich gerade in Erzähllaune bin, ist jetzt auch mal die Zeit gekommen, etwas über Hammerbrook zu berichten. Die eine oder andere Brücke hatte ich ja bereits vorgestellt, ohne näher auf diesen Stadtteil Hamburgs einzugehen. Lehnt Euch zurück, es könnten ein paar Worte mehr werden; denn Hammerbrook hat eine sehr lange Geschichte.

Ursprünglich wurde die gesamte Marschniederung vom Gebiet des Oberhafen (Oberhafenbrücke, Ihr erinnert Euch?) bis hin nach Horn (da war ich noch nicht!) als “Hammer Brook” bezeichnet. Begrenzt wurde diese Marschniederung im Süden durch die Bille und im Norden durch den Geesthang und sie gehörte bis zum Jahr 1383 dem Holsteiner Grafen; dann, im Jahr 1383 hat Hamburg dieses Gebiet gekauft. Genutzt wurde diese Marschniederung vorwiegend als Viehweide und um den ständigen Überschwemmungen Herr zu werden, hat man das Gebiet nach und nach mit Entwässerungskanälen durchzogen. Wenn Ihr heutzutage am Hochwasserbassin, das sich vom Anckelmannplatz bis zur Bille hinzieht, steht, bzw. dort entlang fahrt, dann erblickt es mal mit anderen Augen: es wurde im 17. Jahrhundert als Teil der Vorbefestigung Hamburgs unter der Bezeichnung “Retranchementgraben” angelegt.

Besiedelt wurde dieses Gebiet zwar bereits im 17. Jahrhundert, aber so richtig zogen erst Menschen im 19. Jahrhundert dorthin, nämlich als die Entwässerung abgeschlossen war. Endgültig zur dichten Besiedelung kam es mit dem Bau der Hamburg-Bergedorfer-Eisenbahn im Jahr 1842, die mit dem Bahnhof Berliner Tor die Hamburger Innenstadt angeschlossen hat und vor allem die Abschaffung der Torsperre im Jahr 1860. Waren es im Jahr 1867 schon 10.000 Einwohner in Hammerbrook, so waren es im Jahr 1910 bereits über 60.000 Menschen, die ihr zuhause in Hammerbrook gefunden hatten.

Regelmäßige Leser oder zumindest Hamburg-Kenner können sich sicherlich denken, woher dieser rasante Bevölkerungsanstieg stammt: der Freihafen wurde eingerichtet und die bislang dort wohnenden Menschen wurden umgesiedelt bzw. mussten sich eine neue Bleibe suchen und Hammerbrook mit seiner Hafennähe bot natürlich dann eine Alternative.

Im Übrigen erfahre ich gerade bei der Recherche – oder zumindest stelle ich es mir so vor – dass das Gebiet der Boberger Dünen früher viel, viel größer gewesen sein muss. Und dabei ist es doch heute noch so riesig. Denn: die intensive Bebauung konnte ab dem Jahr 1909 beginnen, weil zu diesem Zeitpunkt die Entwässerungsmaßnahmen abgeschlossen waren, in deren Verlauf nämlich Aufhöhungen der Niederung um teilweise bis zu mehr als fünf Meter erreicht wurde, indem man eben Sand aus den Boberger Dünen hierfür genutzt hat.

Oder wächst Sand nach? Wie entsteht Sand? Mist, dass ich in der Schule nicht aufgepasst habe! Jetzt wisst Ihr aber, warum ich mir vorstelle, dass das Gebiet früher viel größer gewesen sein muss.

Zurück zur Bebauung: im gesamten Gebiet Hammerbrooks entstanden also große Häuserblocks und die errichteten Kanäle Nord-, Mittel- und Südkanal dienten sowohl der Entwässerung als auch als preisgünstige Verkehrswege für die Betriebe, die sich dort angesiedelt haben.

Hammerbrook wurde dann während der Operation Gomorrha im 2. Weltkrieg in der Nacht vom 27. auf den 28. Juli 1943 nahezu vollständig zerstört – rund 12.000 Einwohner starben im Bombenhagel.

Die Grausamkeit und die Unmenschlichkeit der Nazis zeigt sich dann auch darin, dass ab Mitte 1944 in einer Volksschule am Brackdamm rund 35 KZ-Häftlinge untergebracht wurden, deren Aufgabe es war, Bombenblindgänger zu suchen und zu entschärfen! Ebenfalls in Hammerbrook, in einem Hinterhaus eines Bürokomplexes in der Spaldingstraße 156/158 wurde im Oktober 1944 auf sieben Etagen das KZ-Außenlager Hammerbrook mit rund 2.000 Häftlingen eingerichtet.

Weil ja nahezu die gesamte Bevölkerung Hammerbrooks im Bombenhagel starb, entschied man sich, die U-Bahn-Linie, die sich noch bis zu dem Bombenhagel dort befand und die mit den Stationen Süderstraße und Spaldingstraße bis nach Rothenburgsort führte, nicht mehr aufzubauen, sondern die Trümmer der U-Bahn-Linie zusammen mit den anderen Trümmern abzutragen.  Die von den Trümmern befreite Fläche wurde jahrelang als Reservefläche für Gewerbegebiete freigehalten und erst wieder bebaut, als die S-Bahnlinie vom Hamburger Hauptbahnhof nach Harburg gebaut wurde.

Der Nordkanal, der einst neben dem Mittelkanal und dem Südkanal der Entwässerung diente, wurde Ende der 1950er Jahre zugeschüttet. Wir Hamburger aber kennen ihn alle noch: auf ihm wurde die heutige Nordkanalstraße errichtet, um die Spaldingstraße zu entlasten.

Die erhoffte Industrieansiedlung, wofür man ja die Fläche freigehalten hatte, blieb allerdings aus, statt dessen siedelten sich dort immer mehr Verwaltungen mit großen Gebäuden an und seit man das Gebiet als “City Süd” vermarktet wird auch eine Lücke nach der anderen geschlossen. Menschen wohnen aber weiterhin kaum mehr in Hammerbrook.

 

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Ein Gedanke zu „Hammerbrook-Schleuse

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